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This article in German of NZZ / 09.06.2001 with the title "More Rich, Less
Poor: Ten Years of Liberalisation in India" shows the results of economic
research of the National Council of Applied Economic Research (NCAER) in
New Delhi.The key findings are that the poorest layer of population (2/3
of whole population in 1985/1986) could be halfed within a period of 15
years (1/3 of whole population in 2000/2001). The highest income class has
increased by a factor of six from 1.1% to 6.5%. The "middle class" (including
the two highest income classes) has risen from 2.6% to 13.8%, i.e. the middle
class consisted of about 140 million people or 30 million households in
2000/2001. This middle class is very important for the sustainable development
of the world's biggest democracy. This class is decisive for economic, social
and political stability.
Mehr Reiche, weniger Arme
Zehn Jahre Liberalisierung in Indien
Seit Anfang der neunziger Jahre hat Indien zahlreiche
Liberalisierungsschritte unternommen. Eine Untersuchung des Forschungsinstituts
NCAER zeigt, dass diese Entwicklung mit einer Halbierung des Anteils der
armen Haushalte und einer Versechsfachung der Haushalte mit hohen Einkommen
einherging.
Von Peter Oertli
Unabhängig von der politischen Couleur sind sich alle wichtigen indischen
Parteien heutzutage einig, dass nur ein wirtschaftlich liberalisiertes Indien
ein Wachstum des Bruttosozialproduktes hervorzubringen vermag, welches weite
Bevölkerungsschichten aus der Armut führen kann. Die Ergebnisse der ersten
zehn Jahre Liberalisierung sind dabei recht ermutigend, wenn man die Grösse
und die Trägheit des demokratisch regierten Subkontinents mit einer Bevölkerung
von über einer Milliarde Menschen in Rechnung stellt.
Halbierung der Armut
Das auf gross angelegte Konsumentenbefragungen spezialisierte Forschungsinstitut
National Council of Applied Economic Research (NCAER) in New Delhi hat in
mehreren Wellen die Verteilung der Haushaltseinkommen für den Zeitraum von
1985 bis 2000 untersucht. Dabei wurden jeweils 300 000 Haushalte nach ihrem
verfügbaren Einkommen befragt. Zur Festlegung der Einkommensklassen wurde
auf das Jahr 1994/95 abgestellt. Die Einkommen der anderen Erhebungszeitpunkte
wurden mittels Preisindizes so angepasst, dass die Vergleichbarkeit gewährleistet
ist. Die Resultate machen deutlich, dass der von Globalisierungsgegnern
in Seattle und Davos geprägte Slogan «Die Reichen werden immer reicher,
die Armen immer ärmer» einer genaueren Betrachtung nicht standhält. Zwar
lässt sich der Tabelle entnehmen, dass sich der Anteil der Bevölkerung mit
für indische Verhältnisse hohen Einkommen (ab 96 000 R; 1 R entspricht ungefähr
4 Rp.) in den letzten 15 Jahren versechsfacht hat. Bemerkenswert ist aber
vor allem, dass sich im gleichen Zeitraum der Anteil der einkommensschwächsten
Haushalte praktisch halbiert hat; von zwei Dritteln der Bevölkerung 1985
auf ein Drittel im Jahr 2000.
Neue Mittelschicht
Die Entwicklung der Anteile an den oberen Einkommensklassen offenbart, dass
sich in Indien allmählich eine Mittelschicht - vor allem in urbanen Gebieten
- herausbildet, die heutzutage etwa 140 Mio. Personen umfassen dürfte (in
der Tabelle die ersten beiden Zeilen mit 13,8% der Haushalte). Die Herausbildung
einer Mittelschicht ist für ein Entwicklungsland zentral, trägt diese doch
zur wirtschaftlichen, sozialen und politischen Stabilität entscheidend bei.
Durch die abnehmende Armut und Verbesserungen im Bildungsbereich konnte
nicht zuletzt auch das Bevölkerungswachstum von über 2% auf 1,7% pro Jahr
reduziert werden. Das «Massenexperiment» Indien mit einem Sechstel der Weltbevölkerung
zeigt demnach, dass die Liberalisierung zur Überwindung der Massenarmut
in einem demokratisch geführten Entwicklungsland beiträgt. Dass bei diesem
raschen Wandel nicht alle Bevölkerungsschichten gleichzeitig und in gleichem
Ausmass vom zunehmenden Wohlstand profitieren, sollte nicht dazu führen,
den eingeschlagenen Pfad zu verlassen.
Einkommensverteilung in Indien 1985-2000
| Einkommensklassen (in 1000 R/a) |
1985/86 |
1994/95 |
1997/98 |
2000/01** |
| >96 |
1.1 |
2.9 |
4.5 |
6.5 |
| 70-96 |
1.5 |
4.4 |
5.9 |
7.3 |
| 45-70 |
7.0 |
11.2 |
13.0 |
15.3 |
| 22.5-45 |
25.2 |
27.9 |
34.4 |
37.5 |
| <22.5 * |
65.2 |
53.6 |
42.2 |
33.4 |
| Total |
100.0 |
100.0 |
100.0 |
100.0 |
* Offizielle Armutsgrenze: 16'000 R/a; ** Hochrechnung
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